Die meisten Menschen in Organisationen haben genau eine Erfahrung mit digitaler Gruppenkommunikation: WhatsApp. Vielleicht noch eine Familiengruppe auf Signal. Das war’s.
Das wäre nicht schlimm, wenn diese Menschen nicht gleichzeitig Entscheidungen darüber treffen würden, wie ihre Organisation zusammenarbeitet.
Das Eimerprinzip
WhatsApp funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Alles oder nichts. Du bist in der Gruppe, dann bekommst du jede Nachricht — ob relevant oder nicht. Oder du bist nicht in der Gruppe, dann bekommst du keine Nachricht. Es gibt kein Dazwischen. Keine Struktur, keine Filterung, kein Protokoll. Einen Eimer, in den alles reingeworfen wird. Alle kriegen den gleichen Eimer.
Das ist kein Design. Das ist die Abwesenheit von Design.
Und es kann funktionieren. Wo die Gruppe klein ist, das Thema begrenzt, und es eine allgemeine Stimmung der Zuneigung gibt? Da kann es richtig schön sein. Sportvereine oder Elterngruppen? Eigentlich ist das Chaos vorprogrammiert.
Das Problem beginnt, wenn es das einzige Vorbild für Collaboration ist
Jetzt soll jemand, dessen gesamte Erfahrung mit Gruppenkommunikation aus WhatsApp besteht, entscheiden, wie eine Organisation mit 500 oder 5.000 Menschen zusammenarbeiten soll.
„Wir machen einen Teams Chat“ – das war die ganze Strategie.
Klingt vernünftig. Folgt dem einzigen Modell, das die Entscheidenden kennen: Stelle einen Raum zur Verfügung, und die Leute werden ihn schon nutzen. Es hat ja bei WhatsApp auch geklappt.
Warum es bei WhatsApp geklappt hat
WhatsApp funktioniert nicht, weil das Tool so gut ist. WhatsApp funktioniert, weil es ein einziges, simples Protokoll mitbringt, das alle verstehen: Du wirst eingeladen, du bist drin, du siehst alles. Jeder weiß sofort, wie es funktioniert, weil es nichts zu verstehen gibt.
Das ist die Stärke — und die Grenze. Dieses Protokoll skaliert nicht. Es kann nicht unterscheiden zwischen „dringend“ und „zur Kenntnis“, zwischen „betrifft dich“ und „betrifft dich nicht“, zwischen „Entscheidung getroffen“ und „jemand denkt laut nach.“ Bei zehn Leuten ist das egal. Bei hundert ist es Chaos. Bei tausend ist es der Grund, warum niemand mehr irgendwas liest.
Was fehlt: Die Architektur dazwischen
Zwischen „ein Eimer für alle“ und „jeder arbeitet isoliert“ liegt ein ganzes Feld, das gestaltet werden muss – und nicht am Punkt, wo das Bedürfnis besteht, sondern an der Quelle.
Das ist Collaboration Architecture.
Aber solange die Menschen, die über digitale Zusammenarbeit entscheiden, als einziges mentales Modell den WhatsApp-Eimer haben, wird diese Arbeit nicht einmal als fehlend erkannt. Man stellt Tools bereit – fertig.
Der Eimer ist nicht das Problem. Das Fehlen jeder Architektur zwischen Eimer und Nutzung ist das Problem.

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