Business Architecture ist eine Disziplin, die Organisationen helfen soll, sich selbst zu verstehen und kohärent zu gestalten. Fähigkeiten, Wertströme, Informationsflüsse: alles wird modelliert, dokumentiert, in Frameworks eingeordnet. Weltweit bilden sich Praktiker fort, lassen sich zertifizieren, sprechen auf Konferenzen.
Und dann sitzen sie in einer Organisation, in der niemand versteht, was sie tun.
Das ist kein Kommunikationsproblem der einzelnen Architekten. Es ist ein strukturelles Problem der Disziplin. Die Zielgruppe der Kommunikation, der Angebote der Business Architecture Guild sind Business Architects. Die Frameworks, das Vokabular, die Modelle sind für Fachleute konzipiert. Die Menschen, die Architektur unterstützen und nutzen sollen (Führungskräfte, die sie finanzieren) und die Menschen, die in dieser Architektur arbeiten (Teams, die sie täglich erleben), kommen in der Sprache der Disziplin nicht vor.
Das ist, als würde man Gebäude entwerfen, ohne jemals mit den Menschen zu sprechen, die darin wohnen werden.
Was fehlt
Es fehlen Werkzeuge, die Architektur sichtbar und verständlich machen.
Werkzeuge, mit denen eine Führungskraft in 20 Minuten versteht, warum Koordinationsinfrastruktur genauso wichtig ist wie IT-Infrastruktur. Werkzeuge, mit denen ein Team erkennt, dass die informellen Strukturen, die sie jeden Tag zusammenhalten, eigentlich Architektur sind — nur eben unsichtbare. Werkzeuge, mit denen ein Betriebsrat versteht, dass die Mehrarbeit, die immer wieder am unteren Ende der Hierarchie landet, eine Folge fehlender Gestaltung ist, nicht fehlenden Engagements.
Peter Drucker sagte, Prinzipien und Standards sagen einer Organisation, was sie nicht tun soll, nicht, was sie bauen soll. Das gilt auch für die Frameworks der Business Architecture selbst: TOGAF, BIZBOK und ArchiMate definieren, was modelliert werden soll. Sie sagen nicht, wie man das den Menschen erklärt, die davon betroffen sind.
Was wir daran ändern wollen
Das Institute for Collaboration Architecture entwickelt Werkzeuge, die genau diese Lücke füllen. Nicht Frameworks für Architekten, sondern Materialien, die Architektur erlebbar machen:
Das Fachwerkhaus-Modell zeigt die Kombination der Tools, durch die wir arbeiten – nutzendenzentriert, nicht IT-zentriert.

Der Workshop Trampelpfade des Wissens macht in einer Stunde sichtbar, wie Wissen in einer Organisation tatsächlich fließt. Die Teilnehmenden liefern die Analyse selbst, weil sie die Einzigen sind, die es wissen.
Das Guru Game (in Entwicklung) lässt Führungskräfte am eigenen Leib erfahren, was passiert, wenn jeder für sich optimiert statt für das Ganze. Kein Vortrag kann das so vermitteln wie ein Spiel, in dem man es selbst erlebt.
Architektur ist für Menschen
Architektur – egal ob sie Gebäude, Software oder Organisationen gestaltet — fangen bei den Menschen an, die das Ergebnis nutzen sollen. Bei der Gebäudearchitektur gibt es bis heute keine standardisierten Methoden für die Einbeziehung der Nutzenden. Business Architecture fängt bei den Modellen an und hofft, dass die Menschen folgen.
Deshalb habe ich eine neue Disziplin vorgeschlagen, die in dem Business Architecture Konstrukt leben soll. Collaboration Architecture dreht die Reihenfolge um: erst verstehen, wie Menschen tatsächlich arbeiten, dann die Infrastruktur gestalten, die diese Arbeit unterstützt.
Die Frage ist nicht, ob Organisationen Architektur brauchen. Die Frage ist, ob die Architektur den Menschen dient, für die sie gedacht ist.
Wenn sie das nicht tut, verschwenden Organisationen sehr viel Geld für teure Tools – jedes Jahr wird ein Google HQ gebaut, während die eigentliche Arbeit in Hütten ohne Strom und fließend Wasser geschieht.
(Wir gründen ein Institut für die wissenschaftliche Grundlagenarbeit zu Collaboration Architecture: Das Institute for Collaboration Architecture)

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