Es ist zum Verzweifeln: Während ich kürzlich eine Podcast-Episode des Deutschen Rat für Formgebung hörte, wurde wieder einmal deutlich, wie festgefahren das deutsche Designverständnis ist. Selbst als Martin Jordan – eine der wichtigsten Stimmen für Service Design in Deutschland – den fundamentalen Unterschied zwischen britischer und deutscher Design-Kultur erklärte, schien es, als würde er gegen eine Wand sprechen.
Der Kontrast könnte nicht deutlicher sein: In Großbritannien lernen bereits Schulkinder Design als Methode zum Problemlösen. In Deutschland? Hier bleibt Design hartnäckig auf „Formgebung“ beschränkt – als gäbe es keine anderen Probleme zu lösen als die Form physischer Objekte.
Diese sture Einschränkung des Designbegriffs ist mehr als nur ein akademisches Problem – sie behindert aktiv unsere Fähigkeit, komplexe moderne Herausforderungen zu bewältigen. Ja, deutsche Expertise in industriellem Design ist weltbekannt. Aber während wir uns selbstzufrieden auf diesen Lorbeeren ausruhen, verpassen wir den Anschluss an moderne Designmethoden für organisatorische und gesellschaftliche Herausforderungen.
Der Unterschied wird besonders deutlich, wenn man sich ansieht, wie britische Organisationen wie der Design Club Kindern beibringen, kreativ und systematisch Probleme zu lösen. Währenddessen kämpfen deutsche Organisationen hilflos mit digitaler Transformation und Innovationsprozessen – nicht weil es an Talent oder Ressourcen mangelt, sondern weil der methodische Rahmen für nutzerzentrierte Innovation schlichtweg ignoriert wird.
Die Konsequenzen dieser Kurzsichtigkeit sind erschreckend:
- Millionen werden in Technologie-Projekte versenkt, die an grundlegenden menschlichen Faktoren scheitern
- Organisationen ersticken in überholten Hierarchien
- Innovationspotenziale werden systematisch übersehen
- Deutsche Unternehmen verlieren international an Relevanz
Selbst wenn erfolgreiche Beispiele aus anderen Ländern präsentiert werden, stoßen sie auf taube Ohren. Es scheint, als wäre die Vorstellung, dass Design mehr sein könnte als Formgebung, zu bedrohlich für etablierte Strukturen.
In möglicherweise damit in Beziehung stehenden Neuigkeiten habe ich neue Visuals für Annafannatics. Die Inspiration, der Druck, die Motivation muss von ganz woanders kommen als vom Gehirn. Also warum nicht von einem rosa Sittich?

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