Privilegien im Design

Gestern abend habe ich erfolgreich meinen neuen Vortrag vorgetragen. Heute morgen gönne ich mir etwas Ruhe und hörte einer Episode des MV im Fokus zu. Das Thema ist, dass MV und speziell Rostock das Schlusslicht in einer Studie zu Glück und Zufriedenheit bilden.

https://www.ndr.de/radiomv/Schlusslicht-im-Glueck-Experten-empfehlen-vier-Gs,audio1803662.html

Die Episode hat uns verhöhnt. Reale Probleme, die wir hier haben und angehen müssen, kann man nicht mit Lachyoga und Strandspaziergängen bekämpfen. Rostock ist die am härtesten sozial segregierte Stadt Deutschlands. Da mit Lifecoaching anzufangen, heißt, uns und unsere Probleme lächerlich zu machen.

Und genau so lächerlich gemacht fühlen sich die Menschen hier von Menschen mit mehr Privilegien. Genau das ist ja ein großer Tei ihrer Frustration. Unserer Frustration, ich lebe ja auch hier.

Design funktioniert nur, wenn alle Menschen gleich viel wert sind. Design funktioniert auch nur, wenn wir Vielfalt aktiv einladen. Da muss man, wenn man besser situiert ist, seine Privilegien aktiv anschauen – mir würde vielleicht ein Strandspaziergang helfen, aber jemand, dessen Probleme nicht nur in seiner Geisteshaltung stecken, kann damit nichts anfangen.

Ich sehe diese Episode als riesengroßes Symptom für unsere Probleme an. Und, ich meine, es ist ja nicht ein kleiner, unabhängiger Podcast, sondern der NDR.

Mein ärgerlicher Leserbrief ist schon abgeschickt. Auf englisch würde ich einfach sagen „Check your Privilege!“ Aber diese ganze Diskussion hat sich hier ja noch nicht so verbreitet und würde wahrscheinlich sowieso im Kulturkampf gegen alles „woke“ untergehen. Deshalb musste ich es einmal ausformulieren.

Das Ausformulieren war übrigens auch Thema in meinem neuen Vortrag, der gestern abend Premiere hatte.

Ich bin so glücklich, dass es für dieses Publikum funktioniert hat.


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