Co-Design statt Change Management: Prozess vor Programm

In den letzten Monaten habe ich mehrere Design Sprints bei einem großen Unternehmen geleitet. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Verifizierungsphase unseres aktuellen Projekts möchte ich eine wichtige Erkenntnis teilen, die sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit zieht: Prozess vor Programm.

Der traditionelle Weg vs. Co-Design

Change Management in Organisationen folgt oft einem vorhersehbaren Muster: Experten analysieren, Management plant, Lösungen werden entwickelt, und dann beginnt die oft schmerzhafte Phase der „Veränderungsbegleitung“ – ein Euphemismus für den Versuch, Widerstand zu überwinden. Dieser Ansatz behandelt Mitarbeiter als passive Empfänger von Veränderung statt als wertvolle Gestalter.

Co-Design hingegen dreht diese Dynamik um. Es beginnt mit Empathie – dem tiefen Verständnis für die Erfahrungen und Herausforderungen der Menschen, die täglich mit den betroffenen Prozessen arbeiten. In einem Design Sprint bringen wir funktionsübergreifende Teams zusammen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Die anschließende Verifizierungsphase testet diese Lösungen mit einer breiteren Gruppe von Stakeholdern und verfeinert sie iterativ.

Das Ende der Verifizierungsphase: Ein Aha-Moment

Heute haben wir die Verifizierungsphase unseres Projekts abgeschlossen und stehen am Beginn der Implementierung. Was uns überrascht hat: Wir haben eine enorme Lücke in den Schulungsmaterialien entdeckt.

In unserem Co-Design-Ansatz ist es eine wertvolle Erkenntnis, die wir in die Implementierungsphase integrieren können.

„Prozess vor Programm“

Die Erkenntnis „Prozess vor Programm“ entstand aus einem Gespräch mit dem Team. Sie fasst perfekt zusammen, was wir gelernt haben: Bevor wir in technische Lösungen oder Programme investieren, müssen wir die zugrundeliegenden Prozesse verstehen und gestalten.

Ich habe beobachtet, wie ein anderes Departement einen neuen Workflow in ServiceNow entwickelte. Ihre Methode: individuelle Gespräche mit vier Personen, gefolgt von großen Test-Meetings mit zahlreichen Teilnehmern. Der Kontrast zu unserem co-kreativen Ansatz könnte nicht größer sein.

Warum Co-Design funktioniert

  1. Betroffene werden zu Gestaltern: Menschen unterstützen, was sie mitgestaltet haben.
  2. Prozessverständnis vor technischer Lösung: Wir verstehen erst den Prozess, dann entwickeln wir Programme.
  3. Aufbau interner Kompetenz: Statt Abhängigkeiten zu externen Beratern zu schaffen, bauen wir interne Fähigkeiten auf.
  4. Kontinuierliches Lernen: Feedback-Schleifen sind in jeder Phase integriert.

Der Weg in die Implementierung

Die vor uns liegende Implementierungsphase folgt denselben Prinzipien. Anstatt standardisierte Schulungen zu entwickeln, werden wir mit den Nutzern zusammenarbeiten, um herauszufinden, was sie wirklich brauchen, um erfolgreich zu sein.

Dieser Ansatz bedeutet weniger „Change Management“ im traditionellen Sinne und mehr „gemeinsames Gestalten“ – Co-Design eben. Es geht nicht darum, Widerstand zu überwinden, sondern darum, die Menschen zu befähigen, den Wandel selbst mitzugestalten.


Wenn Sie mehr über Co-Design und die Implementierung von Design-Standards in Ihrer Organisation erfahren möchten, kontaktieren Sie mich für einen Workshop oder einen Design Sprint.


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