Organisationen machen jetzt ganz innovative Sachen. Achtsamkeitstraining. Resilienz-Workshops. „Work Greater“. Vielleicht ein ganzes Wochenende „deep dive“.
Es gibt Dinge, die wirklich nicht zu ändern sind. Verlust. Vergänglichkeit.
Achttausend E-Mails aus Koordinationssystemen in einem Jahr sind kein unabänderliches Leid. Sie sind ein Konstruktionsfehler.
Organisationen richten jetzt die Sprache, die für die wirklich großen Dinge gemacht wurde, auf ihre eigene Dysfunktion. „Nimm es einfach an“ wird gesagt zu jemandem, dessen Problem nicht der Tod ist, sondern eine Struktur, die nie ordentlich gestaltet wurde.
Das Vokabular der Weisheit, eingesetzt für etwas, das keine Weisheit braucht, sondern Gestaltung. Ein Ziel in meiner Arbeit ist, beides wieder auseinanderzufriemeln.
Wir haben das Wort „Ertragen“ und das Wort „Tragen.“ Ein Fachwerk soll etwas tragen. Wenn es das nicht tut, müssen wir die Last „ertragen“.
Wenn Organisationen nur in das „Ertragen“ investieren, weil die „tragenden“ Strukturen nicht halten, behandeln sie den Konstruktionsfehler als Charakterfehler. Die Infrastruktur, in der Menschen arbeiten, funktioniert nicht. Und weil das Annehmen mit der Autorität der Weisheit auftritt, fühlt sich der Widerspruch an wie mangelnde Reife. Sie fügen sich. Und tragen weiter.
Dieses Problem wird mit mehr Coaching nur noch größer.
In Organisationen haben wir das Problem der Priorisierung. Geld für Verbesserungsinitiativen ist ja da. Wenn dort die Arbeit am Ertragen auch noch mit der Sprache der Weisheit daherkommt, übertönt sie die tragende Arbeit, die Arbeit an Strukturen, noch lauter. Und dann müssen Menschen immer mehr ertragen.
Der eine Ansatz bringt schnelle individuelle Entscheidungen, deren Kosten erst viel später sichtbar werden und von anderen „ertragen“ werden müssen, der andere mehr Umsicht und bessere Strukturen, durch die wir ihrerseits bessere Entscheidungen treffen können.
Ich mag die Wörter „ertragen“ und „tragen.“

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